Broadcom Inc. (NASDAQ: AVGO) ist eines der wertvollsten Halbleiter- und Technologieunternehmen der Welt. Das in Palo Alto, Kalifornien, ansässige Unternehmen entwirft, entwickelt und vermarktet ein breites Portfolio an Halbleiterlösungen und Infrastruktursoftware. Die heutige Broadcom Inc. entstand 2016, als Avago Technologies die ursprünglich 1991 von Henry Samueli und Henry Nicholas III gegründete Broadcom Corporation für rund 37 Milliarden US-Dollar übernahm und den Markennamen Broadcom beibehielt. Seither wurde das Unternehmen durch strategische Zukäufe – darunter CA Technologies (2018), die Sicherheitssparte von Symantec (2019) und VMware (2023) – zur heutigen Doppelstrategie aus Silizium und Software ausgebaut. Zu den wichtigsten Wettbewerbern zählen Marvell Technology, Qualcomm, Intel sowie im Softwarebereich VMware-Konkurrenten wie Nutanix und IBM.
Hock Tan – President & CEO ist seit 2006 zunächst bei Avago Technologies und seit der Fusion 2016 bei Broadcom Inc. in seiner Rolle tätig. Er gilt als Architekt der aggressiven Akquisitionsstrategie des Konzerns. Tan studierte Maschinenbau am MIT und erwarb einen MBA an der Harvard Business School. Vor Avago hatte er leitende Positionen bei General Motors, PepsiCo und Integrated Device Technology inne.
Amie Thuener – CFO übernahm die Finanzvorstandschaft von Broadcom im Jahr 2026 als Nachfolgerin von Kirsten Spears, die nach langjähriger Amtszeit in den Ruhestand trat. Spears hatte als CFO ab 2020 wesentlich zur finanziellen Disziplin des Unternehmens beigetragen, unter anderem durch die Integration von VMware und konsequentes Kapitalmanagement.
Henry Samueli – Chairman of the Board ist Mitgründer der ursprünglichen Broadcom Corporation und UCLA-Professor für Elektrotechnik. Er blieb nach der Fusion 2016 als einflussreicher Aktionär und Aufsichtsratsvorsitzender dem Unternehmen verbunden und repräsentiert die ingenieurwissenschaftliche DNA der Firma.
Broadcom verfolgt ein zweigleisiges Geschäftsmodell: Das Halbleitersegment (ca. 55 % des Umsatzes) umfasst Custom-AI-Chips (XPUs), Ethernet-Netzwerk-ASICs, Storage-Controller, RF-Filter für Smartphones und optische Komponenten. Das Infrastruktursoftware-Segment (ca. 35–40 % des Umsatzes) basiert seit der VMware-Übernahme 2023 auf einer wiederkehrenden Subscriptions-Basis mit Produkten wie vSphere, vSAN, NSX und Tanzu. Im Bereich Custom-AI-Silizium ist Broadcom einer der wenigen Anbieter, die in der Lage sind, maßgeschneiderte KI-Beschleuniger (XPUs) im Hyperscaler-Maßstab zu entwickeln – eine Positionierung, die das Unternehmen strukturell von generischen GPU-Anbietern abhebt. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte Broadcom einen Rekordumsatz von 51,6 Milliarden US-Dollar, davon 12,2 Milliarden aus dem KI-Segment (Wachstum +220 % gegenüber Vorjahr). Das Unternehmen hat eine 15-jährige Dividendensteigerungsserie und generiert jährlich deutlich über 20 Milliarden US-Dollar Free Cashflow.
Broabom ist als fabless Halbleiterunternehmen vollständig auf externe Auftragsfertigungen angewiesen. Die dominante Abhängigkeit besteht von TSMC (Taiwan), das nahezu alle hochkomplexen Chips in fortgeschrittenen Prozesstechnologien fertigt. Diese geografische Konzentration in Taiwan stellt ein erhebliches geopolitisches Risiko dar. Zudem sind spezialisierte Substrate, optische Komponenten und Packaging-Dienste auf wenige Zulieferer konzentriert. Steigende Kosten für Foundry-Kapazitäten sowie Engpässe bei fortgeschrittenen Fertigungsknoten (z. B. 3-nm-Prozesse) könnten Margen und Lieferfristen belasten. Preisschwankungen bei seltenen Materialien (z. B. Gallium, Germanium) betreffen das RF-Portfolo zusätzlich.
Der bei weitem wichtigste Nachfragekanal sind globale Cloud-Hyperscaler wie Google, Meta, Amazon Web Services und Microsoft, die gemeinsam den Großteil der KI-XPU- und Ethernet-Switch-Nachfrage stellen. Diese Konzentration auf wenige Großkunden birgt Klumpenrisiken: Entscheiden sich Hyperscaler, bestimmte Chips stärker intern zu entwickeln oder zu anderen Anbietern zu wechseln, kann dies zu erheblichen Umsatzrückgängen führen. Das VMware-Infrastruktursoftware-Portfolio ist durch langfristige Subscription-Verträge mit Unternehmen breiter diversifiziert, unterliegt aber dem Risiko einer Abwanderung zu Open-Source-Alternativen oder konkurrierenden Cloud-nativen Plattformen. Die Smartphone-RF-Sparte ist zyklisch und von Apple als Großkunden abhängig.
Broadcom gehört zu den größten Gewichtungen im MSCI World und im S&P 500 und ist damit für passiv verwaltete Portfolios unvermeidbar. Mit einer Marktkapitalisierung von über 1,5 Billionen US-Dollar (Stand: Mitte 2025) zählt das Unternehmen zu den sechs wertvollsten Technologiekonzernen weltweit. Strukturell profitiert Broadcom von zwei langfristigen Megatrends: dem exponentiellen Wachstum der KI-Infrastruktur und der Konsolidierung von Unternehmens-IT auf Cloud-native Plattformen. Die Dividendenpolitik mit 15 aufeinanderfolgenden Erhöhungen seit 2011 – für GJ2026 auf 2,60 US-Dollar je Aktie angehoben – sowie ein hohes Maß an Free-Cashflow-Generierung machen Broadcom zu einem seltenen „Growth-and-Income"-Titel im volatilen Halbleitersektor. Für ESG-orientierte Anleger sind die Konzentrationsrisiken in der Taiwan-Lieferkette sowie die starke Kundenseitenabhängigkeit von Hyperscalern als wesentliche Risikofaktoren zu berücksichtigen.