Siemens AG

Industrieautomation, Gebäude- und Energietechnik, Schienentransport, Medizintechnik, Industriesoftware München, Deutschland Gegründet 1847 SIE

Unternehmensporträt

Siemens AG ist das größte Technologie- und Ingenieursunternehmen Europas mit Wurzeln, die bis ins Jahr 1847 zurückreichen. Gegründet in Berlin von Werner von Siemens und Johann Georg Halske als Telegraphen-Bau-Anstalt, entstand die heutige Aktiengesellschaft 1966 aus der Fusion von Siemens & Halske, Siemens-Schuckertwerke und Siemens-Reiniger-Werke. Heute ist das Unternehmen mit Konzernzentrale in München auf industrielle Automatisierung, Gebäude- und Energietechnik, Schienentransport sowie Medizintechnik fokussiert. Im Geschäftsjahr 2024 (per 30. September 2024) erzielte der Konzern Umsatzerlöse von rund 75,9 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 9,0 Milliarden Euro – ein historischer Rekord. Siemens beschäftigt weltweit rund 318.000 Mitarbeiter und ist in über 200 Ländern aktiv. Zu den wichtigsten Wettbewerbern zählen ABB, Schneider Electric, Honeywell, Rockwell Automation (Automatisierung), Alstom und CAF (Mobilität) sowie Philips und GE HealthCare (Medizintechnik).

Führungspersonen

Roland Busch (President & CEO) ist Physiker und promovierter Naturwissenschaftler aus Erlangen. Er trat 1994 als Projektmanager in die Siemens-Forschungsabteilung ein und durchlief Führungspositionen in Asien, Amerika und Europa, bevor er 2016 zum CTO und 2019 zum stellvertretenden CEO ernannt wurde. Seit Februar 2021 leitet er den Konzern als President und CEO; im April 2024 verlängerte der Aufsichtsrat seinen Vertrag um fünf Jahre ab April 2025. Unter seiner Führung hat Siemens Partnerschaften mit NVIDIA, Microsoft und Amazon Web Services geschlossen, um generative KI und Cloud-Computing in das Automatisierungs- und Softwareportfolio zu integrieren.

Jim Hagemann Snabe (Aufsichtsratsvorsitzender) ist dänischer Staatsbürger und war langjähriger Co-CEO von SAP SE sowie Vorsitzender von A.P. Møller-Mærsk. Seit 2017 steht er dem Aufsichtsrat von Siemens vor; seine Amtszeit wurde 2025 um weitere zwei Jahre bis 2027 verlängert. Er engagiert sich zudem im Board von Temasek und im Kuratorium des Weltwirtschaftsforums.

Cedrik Neike (Mitglied des Vorstands & CEO Digital Industries) verantwortet das größte Industriesegment von Siemens. Seit 2019 im Vorstand, wurde sein Mandat im April 2024 um fünf Jahre ab Juni 2025 verlängert. Neike treibt die Transformation des PLM-Softwaregeschäfts auf SaaS-Modelle voran und steht für Siemens’ Ambitionen in der industriellen Künstlichen Intelligenz.

Strategische Position

Siemens versteht sich als führender Anbieter an der Schnittstelle von realer und digitaler Welt. Das Unternehmen positioniert sich als globaler Marktführer in industrieller KI, Automatisierung und Industriesoftware. Die vier berichtspflichtigen Segmente – Digital Industries (Automatisierung, SPS, PLM- und EDA-Software), Smart Infrastructure (Energiemanagement, Gebäudetechnik, Rechenzentrumsinfrastruktur), Mobility (Schienenfahrzeuge, Signaltechnik) und Siemens Healthineers (Bildgebung, Labordiagnostik, Strahlentherapie) – adressieren langfristige Megatrends wie Elektrifizierung, Dekarbonisierung und Digitalisierung. Die Siemens Xcelerator-Plattform bündelt das SaaS-Softwareportfolio und zielt auf ein schnell wachsendes Ökosystem aus Kunden und Drittentwicklern. Mit der geplanten Übernahme von Altair Engineering stärkt Siemens seine Marktposition in Simulations- und KI-Software erheblich. Das mittelfristige Wachstumsziel liegt bei 6–9 % comparablem Umsatzwachstum pro Jahr (ab GJ 2026). Geografisch ist Amerika zunehmend bedeutsam; China bleibt wichtiger Markt, birgt aber geopolitische Risiken.

Lieferkettenrisiken

Siemens als Hersteller hochkomplexer elektromechanischer und digitaler Systeme ist auf eine diversifizierte, aber in Teilen kritische Zulieferkette angewiesen. Elektronische Bauelemente und Halbleiter sind der bedeutendste Inputfaktor: Lieferengpässe, wie sie sich 2021–2023 gezeigt haben, können Fertigungslinien in der Automatisierungstechnik und Medizintechnik direkt belasten. Elektrische Ausrüstung (Transformatoren, Motoren) und Stahl- und Metallerzeugnisse bilden weitere kritische Vorleistungen, deren Preise stark von Rohstoffmärkten und Energiekosten abhängen. Seltene Erden, die für Permanentmagnete in Antrieben und Bildgebungsgeräten benötigt werden, stammen überwiegend aus China – ein geopolitisch sensibler Engpass. Siemens begegnet diesen Risiken durch Dual-Sourcing-Strategien, regionale Fertigung und langfristige Lieferverträge, bleibt aber exponiert gegenüber US-China-Spannungen und Exportkontrollregimen.

Nachfragerisiken

Die Kundenbasis von Siemens ist breit diversifiziert, was zyklische Ausschläge dämpft, aber nicht eliminiert. Das verarbeitende Gewerbe (Fabrikautomation) ist der volumenmäßig wichtigste Abnehmer: Investitionszurückhaltung in der Industrie, wie im GJ 2024 im kurzzyklischen Automatisierungsgeschäft sichtbar (Lagerabbau bei Kunden und Distributoren), schlägt direkt auf Digital Industries durch. Der Energiesektor profitiert derzeit von Rekordnachfrage nach Rechenzentrumsinfrastruktur und Elektrifizierungsprojekten. Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen als Hauptkunden von Siemens Healthineers unterliegen staatlichen Budgetentscheidungen; China zeigte 2024 eine verzögerte Auftragsvergabe. Im Schienenverkehr sind öffentliche Investitionsbudgets der Taktgeber – konjunkturresistenter, aber anfällig für staatliche Sparmaßnahmen. Substitutionsrisiken bestehen in der Industriesoftware durch US-amerikanische Wettbewerber (PTC, Dassault Systèmes, Ansys/Synopsis).

Relevanz für MSCI-Investoren

Siemens ist eine der größten Positionen im MSCI Europe Index und im DAX, mit einem Börsenwert von über 120 Milliarden Euro (Stand 2024/2025) einer der Anker europäischer Industrieindizes. Das Unternehmen steht für strukturelle Wachstumstreiber wie industrielle Digitalisierung, Energiewende und KI-gestützte Automatisierung – Themen, die in globalen Portfolios an Gewicht gewinnen. Die Dividendenpolitik ist verlässlich und progressiv: Für GJ 2024 wurden 5,20 € je Aktie vorgeschlagen (GJ 2023: 4,70 €), für GJ 2025 bereits 5,35 €. Aktienrückkaufprogramme ergänzen die Kapitalrückführung. Mit einem ROCE-Ziel von 15–20 % und EPS-Wachstumszielen im hohen einstelligen Bereich bietet Siemens eine Kombination aus Qualitätswachstum und Einkommensrendite – relevant für sowohl wachstums- als auch dividendenorientierte Indexinvestoren.

Siemens AG — Aktienindex News

Drei Tage vor den Q2-Zahlen steht Siemens unter Hochspannung: CEO Roland Busch hat die EPS-Guidance auf 10,70 bis 11,10 Euro angehoben, der Healthineers-Spin-off-Zeitplan ist konkretisiert — und Digital Industries liefert zweistellige Wachstumsraten.