Semiconductor Manufacturing International Corporation

Information Technology Shanghai, China Gegründet 2000 HKG:0981

Unternehmensporträt

Die Semiconductor Manufacturing International Corporation (SMIC) ist Chinas mit Abstand größter Halbleiter-Auftragsfertiger und der drittgrößte reine Foundry-Anbieter der Welt. Das Unternehmen wurde 2000 vom taiwanesischstämmigen Halbleiter-Veteranen Richard Chang Ru-gin gegründet, ist auf den Cayman Islands inkorporiert und operativ in Shanghai ansässig. SMIC ging 2004 zeitgleich in Hongkong und New York an die Börse, wobei das US-Listing 2019 freiwillig beendet wurde; seit 2020 ist die Aktie zusätzlich am STAR Market in Shanghai notiert. Im globalen Foundry-Geschäft hält SMIC nach TrendForce-Daten einen Marktanteil von rund 5,3 Prozent und steht damit hinter TSMC und Samsung Foundry, aber vor UMC und GlobalFoundries. Die direkten Wettbewerber sind im Inland HuaHong Group und Nexchip, international die taiwanesischen, koreanischen und US-Anbieter.

Führungspersonen

An der Spitze des Verwaltungsrats steht seit Juli 2023 Dr. Liu Xunfeng, ein 58-jähriger Industriemanager mit langjähriger Sinopec-Vergangenheit, der vom China Integrated Circuit Industry Investment Fund („Big Fund") für die Rolle nominiert wurde und damit den staatlichen Einfluss verkörpert. Operativ wird das Unternehmen seit 2017 von einem Co-CEO-Tandem geführt: Dr. Zhao Haijun (Tsinghua, MBA Chicago) verantwortet seit Mai 2017 die operative Führung und kennt SMIC seit 2010 aus mehreren COO-Rollen. Daneben steht Dr. Liang Mong Song, Jahrgang 1952, IEEE Fellow mit Stationen bei TSMC und Samsung, der als technologischer Architekt der 14nm-, 7nm- und 5nm-Prozessgenerationen von SMIC gilt. Die Finanzen verantwortet Senior Vice President Dr. Wu Junfeng, zuvor CFO der CGN-Gruppe und der New Hope Group.

Strategische Position

SMIC ist der zentrale Pfeiler der chinesischen Halbleiter-Souveränitätsstrategie. Das Unternehmen fertigt Logikchips von 350 nm bis hinunter zu 7 nm im Auftrag von Fabless-Designhäusern, betreibt mehrere Mega-Fabs in Shanghai, Peking, Tianjin und Shenzhen und expandiert die Kapazität auf reifen Knoten in einem für Branchenverhältnisse ungewöhnlich aggressiven Tempo. Spektakulär war 2023 der Nachweis, dass SMIC den Kirin-9000s-Prozessor für Huaweis Mate-60-Smartphone in 7nm-Technologie fertigen konnte – und das ohne ASML-EUV-Lithografie, sondern mittels DUV-Immersion und „Self-Aligned Quadruple Patterning". Damit ist SMIC der weltweit einzige nicht-westlich kontrollierte Anbieter fortgeschrittener Logik-Knoten. 2025 erzielte SMIC einen Umsatz von 9,33 Milliarden US-Dollar bei 16 Prozent Wachstum – getragen von der Lokalisierungswelle in China und der HPC- und AI-Nachfrage.

Lieferkettenrisiken

Die Lieferkette ist der zentrale Verwundbarkeitspunkt von SMIC. Das Unternehmen steht seit September 2020 auf der US-Entity-List, im Juni 2025 zudem auf Taiwans Exportkontrollliste; ASML darf seine modernsten EUV-Belichter nicht liefern, und auch DUV-Equipment von ASML, Applied Materials und Lam Research unterliegt strengen Restriktionen. SMIC kompensiert dies durch eigene Stockpile-Strategien, durch enge Kooperation mit den chinesischen Equipment-Herstellern Naura und AMEC sowie durch Workarounds in der Prozesstechnik. Zusätzlich kritisch sind Spezialgase wie Neon und hochreine Wafer, Photoresists japanischer Hersteller (TOK, JSR) und EDA-Software westlicher Anbieter. Der politische Risikodruck ist permanent und prägt jede Investitionsentscheidung.

Nachfragerisiken

Auf der Absatzseite konzentriert sich das Geschäft zunehmend auf chinesische Kunden. HiSilicon (Huawei) ist der prominenteste Abnehmer für Advanced-Node-Wafer, daneben beziehen Qualcomm, Broadcom und Texas Instruments historisch Mature-Node-Volumen. Die Lokalisierungspolitik Pekings („Made in China") sichert eine strukturelle Nachfragebasis aus den Bereichen Automotive, Consumer Electronics, Telekommunikation und Industrie. Risiken bestehen jedoch dreifach: Erstens sind US-Hyperscaler und westliche Tier-1-OEMs durch Sanktionen faktisch entkoppelt. Zweitens drohen bei Mature Nodes Überkapazitäten, da auch HuaHong, Nexchip und CXMT massiv expandieren. Drittens ist die Geschäftszyklik im Consumer-Bereich hoch und drückt zeitweise die Margen.

Relevanz für MSCI-Investoren

SMIC ist Bestandteil des MSCI China Index und damit ein Standardwert in Emerging-Markets-Portfolios, mit einer Marktkapitalisierung von rund 700 Milliarden HK-Dollar an der Hongkonger Börse. Eine Dividende zahlt das Unternehmen nicht – sämtliche Cashflows fließen in Capex für den Kapazitätsausbau. Für Index-Anleger ist SMIC das Schlüssel-Exposure auf die These der chinesischen Halbleiter-Autarkie und gleichzeitig der prominenteste Träger geopolitischer Tail-Risiken im Tech-Sektor. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist mit über 100 strukturell hoch – die Bewertung spiegelt weniger kurzfristige Fundamentaldaten als die politische Optionalität als nationaler Champion. Anleger erhalten Hebel auf Chinas KI-Boom, müssen aber mit hoher Volatilität bei Sanktionsnachrichten rechnen.

Semiconductor Manufacturing International Corporation — Aktienindex News

Während internationale Anleger über Monate Milliarden aus China-ETFs abzogen, hat Pekings Halbleiterfonds seinen Anteil an SMIC fast verdoppelt und pumpt 7,78 Milliarden Dollar frisches Kapital in die fortschrittliche Fertigung. Für MSCI-China-Investoren entsteht damit eine Aktie, deren Kurs zunehmend von staatlicher Strategie statt von Marktrentabilität getragen wird.