Taipei/Berlin, 10. Mai 2026

Rekordmarge, Rekord-Capex — und Brennstoffzellen für Datenzentren

Delta Electronics hat im ersten Quartal 2026 die stärksten Ergebnisse der Unternehmensgeschichte gemeldet — und Chairman & CEO Ping Cheng legt nach: Für das laufende zweite Quartal erwartet er eine Bruttomarge, die den Wert des Vorjahreszeitraums von 35,51 Prozent übertreffen wird. Die Kapitalinvestitionen sollen in diesem Jahr um mehr als zehn Prozent steigen. Gleichzeitig treibt das Unternehmen eine tiefgreifende Neupositionierung voran: von der reinen Stromversorgung für Datenzentren hin zur eigenen Energieerzeugung — mit Festoxid-Brennstoffzellen als Herzstück.

Der Quartalsbericht per Ende März 2026 lieferte die Zahlen dafür: Nettoprofit NT$20,55 Milliarden (rund 649 Millionen US-Dollar), ein Anstieg von 102 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und 19 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der Gewinn je Aktie kletterte auf NT$7,91, nach NT$6,67 im Vorquartal und NT$3,94 vor einem Jahr. Die Bruttomarge verbesserte sich von 34,6 Prozent im Vorquartal auf nun 37 Prozent — getragen vom wachsenden Anteil von Produkten für Cloud-Service-Provider, die laut Cheng eine deutlich höhere Marge aufweisen als das übrige Geschäft.

Cloud-Capex-Boom als Rückenwind: US$670 Milliarden im laufenden Jahr

Der Kern der Delta-Wachstumsthese liegt im beispiellosen Investitionsvolumen der großen Hyperscaler. Delta-Vizepräsident Lanford Liu beziffert den kumulierten Capex der weltweit führenden Cloud-Anbieter für 2026 auf rund 670 Milliarden US-Dollar — ein Anstieg von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Produkte für KI-Datenzentren machen bereits mehr als die Hälfte von Deltas Stromversorgungsumsatz aus; für das zweite Quartal erwartet Liu einen saisonalen Anstieg gegenüber Q1, gestützt durch höhere Auslieferungen von Stromprodukten.

Ping Cheng hatte das Wachstumstempo bereits früh richtig eingeschätzt: Der Umsatz des Gesamtjahres 2025 stieg um 32 Prozent auf NT$554,9 Milliarden, wobei KI-bezogene Stromversorgungseinheiten mehr als 20 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachten, Kühl- und Wärmeableitungslösungen weitere neun Prozent.

Dennoch warnt Cheng vor strukturellen Engpässen: Die schnelle Expansion von Datenzentren übersteige derzeit das Angebot an kritischen Komponenten wie Speicherprodukten und Rohstoffen. Land, Wasser, Strom und Fachkräfte blieben Flaschenhälse, die Deltas eigene Auslieferungskurven beeinflussen könnten.

US-Fabrik, Thailand-Ausbau — und ein Blick nach Mexiko

Um der Nachfrage zu begegnen, weitet Delta seine globale Produktionspräsenz deutlich aus. In den Vereinigten Staaten entsteht eine neue Fertigungsanlage; in Thailand werden Kapazitäten weiter hochgefahren — drei neue Werke nahmen bereits im letzten Quartal den Betrieb auf. Indien wird ebenfalls als Standort für Strom- und Infrastrukturprodukte ausgebaut. Für eine potenzielle künftige Investition wurde zudem Mexiko sondiert.

Parallel verschiebt das Unternehmen Ressourcen innerhalb bestehender Strukturen: Das Elektrofahrzeuggeschäft in Thailand wird auf eine Fabrik konsolidiert — die freiwerdenden Flächen werden sofort für KI-Server-Stromversorgung umgewidmet. Der Aufwärtsdruck auf die Margen ist damit auch eine Konsequenz konsequenter Portfoliobereinigung.

Festoxid-Brennstoffzellen: Delta positioniert sich als Energieversorger

Die strategisch ambitionierteste Ankündigung stammt aus Deltas 55. Jubiläumsforum in Taipei: Cheng skizzierte dort eine Expansion, die das Unternehmen vom Strommanagement in die Stromerzeugung trägt. Kern ist die geplante Serienproduktion von Festoxid-Brennstoffzellen (SOFC) auf Basis einer Technologielizenz des britischen Unternehmens Ceres Power — der Produktionsstart ist für 2027 vorgesehen.

Die Effizienzwerte, die Cheng nennt, sind industriell bedeutsam: 65 Prozent Stromerzeugungswirkungsgrad, mit Wärmerückgewinnung bis zu 80 Prozent — mehr als doppelt so viel wie ein herkömmliches Gaskraftwerk mit rund 35 Prozent. Mittelfristig, so Cheng, könnten diese Systeme konventionelle Erzeugung in Datenzentren ersetzen.

Bereits heute verfolgt Delta das Konzept des “Off-Grid-Mikronetzes”: Datenzentren sollen ihren eigenen Strom erzeugen, um von der überlasteten öffentlichen Infrastruktur unabhängig zu werden. Die technische Schlüsselkomponente ist ein Festkörpertransformator, der Hochspannungs-Wechselstrom direkt in 800-Volt-Gleichstrom umwandelt — mit einem Wirkungsgrad von 92,1 Prozent. Am NVIDIA-GTC-Stand demonstrierte Delta im März, wie eine vollständige 800-VDC-Architektur von der Einspeisung bis zum Chip funktioniert.

Delta im MSCI Emerging Markets: Kleines Gewicht, große Hebelwirkung

Delta Electronics ist im MSCI Emerging Markets Index mit rund 1,14 Prozent gewichtet — deutlich kleiner als TSMC oder Samsung Electronics, aber mit einer spezifischen Rolle: Das Unternehmen ist ein Querschnittslieferant des gesamten KI-Infrastrukturzyklus. Steigt das Investitionsvolumen der Hyperscaler, profitiert Delta überproportional über Stromversorgung, Kühlung und künftig Energieerzeugung.

Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 260 Prozent zugelegt — eine Kursentwicklung, die die Transformation des Geschäftsmodells bereits eskomptiert. Die Q2-Guidances vom 2. Mai 2026 zeigen, dass Cheng das Momentum für intakt hält.

Was bedeutet das für Investoren mit MSCI-EM-Exposure?

Delta Electronics ist kein klassischer Halbleiterwert, sondern ein Infrastruktur-Enabler — mit einem Margenprofil, das sich durch den KI-Capex-Zyklus strukturell verbessert hat. Folgende Fragen bleiben offen:

  • Margenstabilität: Kann Delta die Bruttomarge bei 37 Prozent oder höher halten, wenn Konkurrenten wie Vertiv oder Eaton ihre Kapazitäten aggressiv ausbauen?
  • US-Expansion unter Zolldruck: Wie wirken sich die aktuellen US-Handelsmaßnahmen gegen taiwanische Lieferanten auf den Fabrikbau und die Kostenstruktur in Nordamerika aus?
  • SOFC-Zeitplan: Ist 2027 als Produktionsstart für Festoxid-Brennstoffzellen realistisch — und welche Konkurrenten (Bloom Energy, Mitsubishi) sind bereits im Markt positioniert?
  • Komponentenengpass: Wenn Datenzentrum-Expansion tatsächlich an Speicher- und Rohstoffverfügbarkeit scheitert, wie exponiert ist Deltas Wachstumsprognose gegenüber Nachfrageverschiebungen bei seinen eigenen Abnehmern?