Seoul/Berlin, 10. Mai 2026 — Als AMD-Chefin Lisa Su am 18. März 2026 persönlich nach Pyeongtaek reiste und durch Samsungs modernstes Chip-Werk geführt wurde, war das kein gewöhnlicher Besuch. Die Unterzeichnung eines Memorandums of Understanding (MOU) zwischen Samsung Electronics und AMD macht Samsung zum primären Lieferanten von HBM4-Hochbandbreitenspeicher für AMDs nächsten KI-Beschleuniger — und öffnet die Tür zu einer möglichen Foundry-Partnerschaft, die die Halbleiter-Lieferkette der KI-Industrie neu sortieren könnte.

Für MSCI-Emerging-Markets-Investoren, die mit rund 6 Prozent Indexgewicht in Samsung Electronics exponiert sind, ist diese Entwicklung weit mehr als eine Pressemitteilung. Sie ist der bislang konkreteste Hinweis darauf, dass Jun Young-hyun, Vice Chairman und CEO der Device Solutions Division, Samsungs Aufholjagd im HBM-Markt in reale Vertragsbeziehungen ummünzt.

Das MOU: Was vereinbart wurde

Unter dem MOU werden Samsung und AMD ihre Zusammenarbeit für die Versorgung mit HBM4-Speicher für den AMD Instinct MI455X GPU sowie für fortschrittliche DDR5-Lösungen für die 6. Generation der AMD EPYC-Prozessoren (Codename „Venice") ausrichten. Diese Technologien sollen KI-Systeme der nächsten Generation unterstützen, die AMD Instinct GPUs, AMD EPYC CPUs und Rack-Scale-Architekturen wie die AMD Helios-Plattform kombinieren.

Samsungs HBM4 ist dabei technisch bemerkenswert: Das Produkt basiert auf Samsungs fortschrittlichem 6. Generation 10-Nanometer-Klasse-DRAM-Prozess (1c) und einem 4-nm-Logik-Basechip und erreicht Verarbeitungsgeschwindigkeiten von bis zu 13 Gbps sowie eine maximale Bandbreite von 3,3 TB/s — und übertrifft damit Industriestandards.

Jun Young-hyun formulierte den strategischen Anspruch bei der Unterzeichnung unmissverständlich: Samsung sei „einzigartig positioniert, um unübertroffene Turnkey-Fähigkeiten zu liefern" — von HBM4 über Advanced Packaging bis zur Foundry. Lisa Su, Chair und CEO von AMD, ergänzte, dass „tiefe Zusammenarbeit über die gesamte Industrie hinweg" notwendig sei, um die nächste Generation von KI-Infrastruktur anzutreiben.

Der Foundry-Hebel: Mehr als nur Speicher

Was das MOU besonders für Investoren interessant macht, ist eine Klausel, die über den Speichermarkt hinausgeht: Die beiden Unternehmen werden auch Möglichkeiten für eine Foundry-Partnerschaft erörtern, bei der Samsung Fertigungsdienstleistungen für AMDs nächste Produktgenerationen erbringen würde.

Branchenanalysten von TrendForce berichten, dass Samsung seine HBM-Lieferungen möglicherweise als Hebel nutzt, um eine teilweise Verlagerung von AMDs fortschrittlicher KI-Chip-Produktion zu Samsung Foundry zu sichern. Falls realisiert, würde eine Foundry-Zusammenarbeit Samsungs Einfluss von der Speicherbranche auf die breitere Beschleuniger-Produktion ausdehnen und seine Rolle im KI-Hardware-Ökosystem neu gestalten.

Das ist im Wettbewerbskontext bedeutsam: AMD fertigt seine wichtigsten KI-Chips bislang exklusiv bei TSMC. Eine Teilverlagerung zu Samsung würde sowohl AMDs Lieferkette diversifizieren als auch Samsung Foundry dringend benötigte Premium-Aufträge sichern — ein Markt, in dem Samsung hinter TSMC zurückliegt.

AMDs Q1-Zahlen: Der Markt bestätigt den Kurs

Die Relevanz des Samsung-Deals lässt sich an AMDs jüngsten Quartalsergebnissen ablesen: AMD meldete für Q1 2026 einen Umsatz von 10,25 Milliarden US-Dollar — gegenüber einem Konsensus von 9,89 Milliarden US-Dollar — mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 1,37 Dollar gegenüber 1,29 Dollar Erwartung. Der Umsatz wuchs gegenüber dem Vorjahr um 38 Prozent. Das Datacenter-Segment, das Segment, das am direktesten mit dem Samsung-Speicherdeal verknüpft ist, sprang um 57 Prozent auf 5,8 Milliarden US-Dollar. Die AMD-Aktie legte in der darauffolgenden Handelssitzung um 16 Prozent zu.

Für Samsung bedeutet dies: Der Partner, dem man HBM4 liefern wird, befindet sich auf Wachstumskurs, der die Speicherkapazitäten der gesamten Industrie unter Druck setzt. In diesem Marktumfeld ist ein gesicherter Abnehmervertrag mit AMD strategisch und finanziell wertvoll.

Samsungs HBM-Aufholjagd — und was auf dem Spiel steht

Hinter der Partnerschaft steht auch eine unternehmensstrategische Notwendigkeit. Jun Young-hyun trat sein Amt mit dem expliziten Auftrag an, Samsungs verlorene Führungsposition im HBM-Markt zurückzugewinnen — ein Segment, in dem SK Hynix derzeit die Nase vorn hat. In Samsungs Neujahrsansprache für 2026 hatte Jun betont, dass Samsungs HBM4 „distinct competitiveness" unter Beweis gestellt habe und Kundenaussagen wie „Samsung is back" hervorgerufen habe.

Der AMD-Deal ist der erste große öffentliche Beleg dafür, dass diese Kundenaussagen sich in konkrete Lieferverträge übersetzen. Samsung und AMD arbeiten bereits seit fast zwei Jahrzehnten in verschiedenen Segmenten zusammen, darunter Grafik, Mobile und Computing — Samsung war zuletzt primärer HBM3E-Lieferant für AMDs aktuelle Instinct-Beschleuniger MI350X und MI355X.

MSCI Emerging Markets: Was bedeutet das für Investoren?

Samsung Electronics ist mit einem Indexgewicht von rund 6 Prozent die zweitgrößte Einzelposition im MSCI Emerging Markets Index — und damit ein zentraler Hebel für die Performance des Gesamtindex. Der AMD-Deal berührt mehrere Dimensionen, die für EM-Investoren relevant sind:

Umsatzperspektive: HBM4-Lieferungen für den MI455X GPU und DDR5 für EPYC-Server sind Hochmargensegmente. Ein gesicherter Abnehmervertrag mit einem Partner, dessen Datenzentrumsgeschäft um 57 Prozent wächst, verbessert Samsungs Umsatzvisibilität im Speichersegment spürbar.

Foundry-Option: Sollte die Foundry-Diskussion zu konkreten Aufträgen führen, würde dies Samsung Foundry revitalisieren — ein Bereich, der in den vergangenen Quartalen hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Analysten bewerten eine Verlagerung auch nur eines Teils von AMDs Produktion als potenziell transformativ für Samsungs Foundry-Auslastung.

Geopolitisches Risiko: AMD und Samsung sind beide dem US-Exportkontrollregime unterworfen. Jede Verschärfung von Chip-Exportregeln — insbesondere in Richtung China — könnte den Rahmen für HBM-Lieferungen und Foundry-Kooperationen verändern. Zudem bleibt das allgemeine Zollumfeld zwischen den USA und Südkorea ein Faktor, den Samsung in seinen Planungsannahmen berücksichtigen muss.


Was bedeutet das für Investoren mit MSCI-Emerging-Markets-Exposure?

  • Wie schnell können sich Samsung-Foundry-Kapazitäten qualifizieren, um AMD-Logikchips in Volumenproduktion zu fertigen — und welche Zeitachse ist realistisch?
  • Setzt AMD mit dem HBM4-Deal auf Samsung als Gegengewicht zu SK Hynix, oder bleibt SK Hynix der Primärlieferant für Nvidia — und wie verteilt sich das HBM-Marktvolumen?
  • Falls Exportkontrollen verschärft werden: Kann Samsung den AMD-Deal vollständig erfüllen, oder entstehen geopolitische Zielkonflikte?
  • Wann werden konkrete Lieferzahlen und HBM4-Margeneffekte in Samsungs Quartalsberichten sichtbar?