Masayoshi Sons $64,6-Milliarden-Wette: Rekordgewinn oder Liquiditätskrise?

Tokio/Frankfurt, 11. Mai 2026 — In zwei Tagen öffnet Masayoshi Son die Bücher. Am 13. Mai 2026 hält SoftBank Group sein Earnings Results Briefing für das Geschäftsjahr FY2025 (Bilanzstichtag: 31. März 2026) ab — und die Erwartungen könnten kaum größer sein. Analysten rechnen mit einem Rekordergebnis, getrieben von massiven Buchgewinnen auf das OpenAI-Investment. Doch hinter der KI-Euphorie lauert ein handfestes Bilanzproblem, das CFO Yoshimitsu Goto am Mittwoch erklären muss.

Die Wette: $64,6 Milliarden für einen 13%-Anteil

Die Zahlen sprechen für sich: SoftBank hat bis Februar 2026 insgesamt $64,6 Milliarden in OpenAI investiert und hält damit rund 13 Prozent am Entwickler von ChatGPT. Der Weg dorthin verlief in drei Schritten: $7,5 Milliarden im April 2025, $22,5 Milliarden im Dezember 2025 — und ein weiteres $30-Milliarden-Paket, das SoftBank am 27. Februar 2026 per definitiver Vereinbarung ankündigte. Masayoshi Son kommentierte diesen letzten Schritt mit den Worten: „AI is transforming the world at an unprecedented pace."

Bereits in Q3 FY2025 — dem Quartal bis Dezember 2025 — waren die Früchte dieser Strategie sichtbar. SoftBank verbuchte einen Gewinn von 248,6 Milliarden Yen ($1,62 Milliarden), nachdem das Unternehmen im Vorjahreszeitraum noch 369 Milliarden Yen Verlust ausgewiesen hatte. CFO Yoshimitsu Goto erklärte damals: „Our investments are beginning to pay off." Allein auf die OpenAI-Position verbuchte SoftBank in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres einen Buchgewinn von $17 Milliarden.

Arm Holdings: Zuverlässigster Werttreiber im Portfolio

Neben OpenAI ist Arm Holdings das zweite tragende Standbein der SoftBank-Story. Der britische Chip-Architekt, an dem SoftBank rund 87 Prozent hält, erzielte in Q3 FY2025 einen Rekordumsatz von $1,2 Milliarden — ein Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr — bei einem bereinigten Betriebsgewinn von $505 Millionen (plus 14 Prozent). Bloomberg schreibt, dass viele Analysten für das am 13. Mai bevorstehende Jahresergebnis mit starken Zahlen rechnen, „driven by the company’s AI-related investments, including its 90% stake in CPU chip designer Arm Holdings Plc."

Im April 2026 weitete SoftBank die Rolle von Arm-CEO Rene Haas aus: Er übernahm zusätzlich den Posten des CEO der SoftBank Group International (SBGI), einem operativen Dach für internationale Konzernbeteiligungen mit Schwerpunkt Halbleiter und KI. Die Personalentscheidung signalisiert, dass Son die Chiparchitektur als Nervensystem seiner KI-Strategie versteht.

Physical AI: ABB-Roboter und DigitalBridge als nächste Wachstumssäulen

Parallel zur digitalen KI baut SoftBank seine „Physical AI"-Strategie aus. Im Oktober 2025 kündigte das Unternehmen den Erwerb der Robotiksparte von ABB für $5,375 Milliarden an — laut SoftBank soll das Geschäft ABBs Robotik-Fähigkeiten mit der KI-Expertise des Konzerns kombinieren. Die Transaktion soll bis Mitte bis Ende 2026 abgeschlossen werden, steht aber noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Im Dezember 2025 folgte die $4-Milliarden-Akquisition von DigitalBridge, einem US-Spezialisten für KI-Infrastruktur inklusive Rechenzentren und Glasfasernetzen.

Das neue Segment „AI Computing" — bestehend aus Arm, Graphcore und Ampere — lieferte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres noch Verluste: minus 91,8 Milliarden Yen, belastet durch Personalaufbau und Akquisitionskosten bei Ampere.

Das Liquiditätsproblem: $32 Milliarden Lücke und ein $40-Milliarden-Kredit

Hier liegt der eigentliche Spannungspunkt der FY2025-Präsentation. Analysten des Kreditresearchers CreditSights beziffern ein Finanzierungsloch von $32 Milliarden — bestehend aus Anleiheendfälligkeiten der nächsten zwei Jahre sowie bereits vereinbarten Transaktionen wie der ABB-Akquisition. Um diese Lücke zu überbrücken, nahm SoftBank einen Brückenkredit über $40 Milliarden bei Banken auf — eine temporäre Lösung, die binnen eines Jahres abgelöst werden muss.

Der Net Asset Value (NAV) des Konzerns lag zum Ende von Q3 FY2025 bei 30,9 Billionen Yen ($193,8 Milliarden) — im Neunmonatszeitraum gestiegen, gegenüber dem Vorquartal aber um 2,4 Billionen Yen gefallen. Die Loan-to-Value-Quote (LTV) — das zentrale Steuerungsinstrument für die SoftBank-Bilanz — stand bei 20,6 Prozent und damit innerhalb der selbst gesetzten Obergrenze von 25 Prozent.

Die Schlüsselfrage, die Goto am 13. Mai beantworten muss: Wie soll der $40-Milliarden-Brückenkredit zurückgeführt werden? Der naheliegendste Weg führt über ein OpenAI-IPO — doch dessen Zeitplan liegt nicht in Sons Händen. Marktberichte deuten auf eine mögliche Börsennotierung von OpenAI im Jahr 2027 hin, zu einer Bewertung von bis zu $1 Billion.

MSCI Japan: Was bedeutet das für Investoren mit Japan-Exposure?

SoftBank Group hält im MSCI Japan Index ein Gewicht von 2,10 Prozent — eine Position, die das Jahresergebnis vom 13. Mai für alle Japan-Investoren unmittelbar relevant macht. Das Unternehmen ist damit direkter KI-Hebel im Index: Steigt der OpenAI-Buchwert, profitiert der NAV; fällt die Arm-Aktie, belastet das die Konsolidierung.

Offene Fragen für Investoren:

  1. Kann SoftBank den $40-Milliarden-Brückenkredit ohne Notverkäufe ablösen? Die 87-prozentige Arm-Beteiligung ist wegen des geringen Free Floats als Sicherheit nur bedingt geeignet — ein OpenAI-IPO wäre der bevorzugte Exit, doch der Zeitplan bleibt ungewiss.

  2. Wie bewertet Goto den OpenAI-Anteil in der FY2025-Bilanz? Die OpenAI-Beteiligung wird als FVTPL-Finanzinstrument quartalsweise zum Fair Value angesetzt. Bei einer aktuell diskutierten OpenAI-Bewertung von über $850 Milliarden könnten die Buchgewinne enorm sein — aber auch enorm volatil.

  3. Welchen Kurs nimmt die Physical-AI-Strategie? Die ABB-Robotik-Transaktion steht noch unter Regulierungsvorbehalt. Gibt es beim Earnings-Briefing Neuigkeiten zum Closing-Zeitplan — oder sogar zur Integration in das AI-Computing-Segment?

  4. Wie reagiert die Aktie auf das Verhältnis LTV vs. Investitionspipeline? Die für FY2026 geplanten Investitionen belaufen sich laut Management auf $38,5 Milliarden. Falls der Yen gegenüber dem Dollar weiter schwächelt, steigt die Yen-Last aller Dollar-denominierten Verbindlichkeiten — ein makroökonomisches Risiko, das im Earnings-Briefing selten explizit adressiert wird.