- Apple meldet für das September-Quartal 114,5 Milliarden Dollar Umsatz (+12 Prozent) und 2,10 Dollar je Aktie – gestützt von einer Zollrückerstattung, die rund einen Prozentpunkt Bruttomarge und 5 Cent Gewinn beisteuert.
- Greater China wächst um 21 Prozent auf 17,54 Milliarden Dollar und verfehlt dennoch die Erwartung von 18,75 Milliarden.
- Für MSCI-World-Investoren zählt weniger der Beat als die Frage, wie viel davon wiederholbar ist: Speicherkosten steigen, das iPhone Duo fehlt noch in den Zahlen.
Cupertino/Berlin, 2. November 2026 (kap)
Der Beat und sein Zollbonus
Ein neuer Chef braucht einen guten ersten Auftritt, und John Ternus hat ihn bekommen. Apple hat im vierten Geschäftsquartal 114,5 Milliarden Dollar umgesetzt, 12 Prozent mehr als vor einem Jahr, die Konzernmarge lag bei 47,9 Prozent, der Gewinn je Aktie bei 2,10 Dollar. Im Kleingedruckten der Pressemitteilung steht, dass die Bruttomarge einen günstigen Effekt von etwa einem Prozentpunkt aus Zollrückerstattungen enthält, im Gewinn je Aktie sind es 5 Cent.
Rechnen wir den Posten heraus, bleibt eine Marge von rund 46,9 Prozent und ein Gewinn je Aktie von etwa 2,05 Dollar. Das schlägt die Konsensschätzung von 1,99 Dollar immer noch, die sich aus dem gemeldeten Beat von elf Cent ergibt. Aber das Gewinnwachstum schrumpft von 14 Prozent auf gut 10 Prozent, gemessen am Vorjahreswert von 1,85 Dollar, und liegt damit unter dem Umsatzwachstum von 12 Prozent.
China: Wachstum als Enttäuschung
Die Region Greater China zeigt, wie hoch die Latte inzwischen liegt. Der Umsatz stieg um 21 Prozent auf 17,5 Milliarden Dollar, Europa legte um 12 Prozent auf 32,0 Milliarden zu, die Amerikas um 10 Prozent auf 48,7 Milliarden. Und doch lag China unter den Prognosen von 18,75 Milliarden Dollar; je nach Datenhaus schwanken die Schätzungen zwischen 18,58 und 18,75 Milliarden. Der Markt hatte also ein Plus von knapp 29 Prozent eingepreist. Wer 21 Prozent Wachstum als Enttäuschung verbucht, hat aus der Erholung bereits eine Dauerleistung gemacht.
Auch beim Hauptprodukt täuscht der Rekord. Die iPhone-Umsätze von 57,58 Milliarden Dollar übertrafen die Erwartung von 56,48 Milliarden, doch sie enthalten nur acht Tage Verkäufe der neuen iPhone-18-Pro-Modelle, und das faltbare iPhone Duo kam erst nach Quartalsende in die Läden. Die Zahl, die zählt, steht also noch aus. Dazu passen Berichte über frühe Displayausfälle am Scharnier des Duo; Apple fährt laut CNBC die Produktion des ausverkauften Geräts hoch, während die Ausfälle auftreten. Ob Ternus im Call die Duo-Rampe und den Ausblick für das Dezemberquartal beziffert hat, lag uns bei Redaktionsschluss nicht belegt vor.
Speicher: Die stille Steuer der KI
Die Gegenspielerin der Zollrückerstattung heißt Speicherchip. Apple räumte ein, dass die Speicherkosten im Quartal über dem Niveau des Juni-Quartals lagen. Der globale Speicherengpass und der Run auf Rechenkomponenten treffen einen Konzern dieser Größe zuerst, weil er die größten Mengen abnimmt. Cooks Erbe war die Kunst, Komponentenpreise in Marge zu verwandeln. Ternus erbt die Umkehrung: Die Marge wird jetzt vom Komponentenmarkt diktiert. Zollrückerstattungen hat Apple bereits im Juni-Quartal verbucht (rund 2 Prozentpunkte Marge, 11 Cent Gewinn je Aktie) und erneut im September-Quartal (rund 1 Prozentpunkt, 5 Cent). Ob weitere folgen, ist offen; der Posten schrumpft, ist aber keine Einmalzahlung.
Hier wird Apple zum Spiegel des gesamten Index. Im MSCI World Growth Index hält Apple nach MSCI-Daten 10,81 Prozent – das ist ein anderer Index, aber er zeigt, wie viel Konzentrationsrisiko in einer einzigen Zahl liegt. Im MSCI World Index hält Apple laut MSCI-Factsheet 5,41 Prozent und ist damit die zweitgrößte Position nach NVIDIA mit 5,81 Prozent.
Kapital kauft Breite, nicht Kurs
Passiv angelegtes Geld reagiert auf solche Qualitätsfragen nicht. In der Woche bis zum 14. Oktober flossen den globalen Aktienfonds 20,01 Milliarden Dollar zu, die vierte Woche in Folge, und zuletzt zog der iShares MSCI World ETF (URTH) 312 Millionen Dollar an. Wer indexnah investiert, kauft Apple mit jedem Sparplan automatisch mit, zu jedem Preis, der sich aus dem Beat ergibt. Das Risiko liegt damit nicht im Quartal, sondern in der Gewohnheit: Die Zollrückerstattung schrumpft, der Speicherpreis bleibt.
Was wir daraus ableiten
Wir sorgen uns weniger um Apples Nachfrage als um die Qualität der Gewinne, die der Index von seinem zweitgrößten Titel erwartet. Drei Fragen bleiben offen. Wie hoch fällt die Marge im Dezemberquartal aus, wenn der Zollbonus schrumpft oder entfällt und die Speicherkosten höher sind? Hält das Scharnier des Duo? Und wie lange kann China zweistellig wachsen, ohne dass Peking die Rechnung stellt?
Die Positionierung folgt daraus. Index-Investoren mit hohem Apple-Anteil sollten die Konzentration nicht als Selbstläufer behandeln, sondern ein Gegengewicht aufbauen: Hersteller von Speicherchips, die von derselben Knappheit profitieren, die Apples Marge drückt, sowie gleichgewichtete oder Value-orientierte Welt-Ansätze, die den Megacap-Block dämpfen. Der Zollbonus ist verbucht. Der Speicherpreis bleibt auf der Rechnung.
